• Die Sonne

    Das Gedicht "Die Sonne", das vom Hottentottenrennquintett freundlicher Weise in sein Programm "live und mittellos" übernommen wurde, entstammt der nie veröffentlichten Anthologie "Pekinesen handverlesen" des Autorenduos Erdal Toprakyaran und Sven Rasch. Als Studenten der Islamwissenschaft/Osmanistik an der Universität Heidelberg vertrieben sich die beiden, damals noch langhaarigen, doctores in spe häufiger die langen Wartezeiten zwischen den zwei Semesterwochenstunden, die sie zu belegen hatten, mit spontanem Reimen und psychedelischen Experimenten. Während Toprakyaran im Laufe der Studienjahre 1997-2001 allmählich der Übergang von einer im Geiste und Duktus der Romantiker (Novalis!) verfassten, tief- bis wahnsinnigen Lyrik zu einer Art Beat-Poetry mit dialektaler Färbung (Mannemer!) gelang, mühte sich Rasch zunächst einmal darum, überhaupt etwas Lesenswertes zu Papier zu bringen. Von Toprakyaran ermutigt, nicht aufzugeben, bevor überhaupt eine Zeile geschrieben war, verfasste Rasch schließlich in einer einzigen, 72 Stunden andauernden session insgesamt 478 Gedichte, von denen dann 474 aus Versehen von Toprakyaran beim Frühjahrsputz 1999 aus dem Fenster geworfen wurden. Ausser der "Sonne" blieben der Nachwelt nur die Gedichte "Der Mond", "Die Sterne" und "Ein Eichhörnchen auf Speed" erhalten, ... schade, eigentlich!


    Titel: Die Sonne
    Album: "live und mittellos" (2006)
    Sprecher: Christian Paul Mitzel / Jürgen Hellmann / Steffen Kindlein
    Lyrics: Sven Rasch

    Die Sonne

  • Reclam Reimelexikon

    Ein "Reim" ist nach Auskunft des Großen Deutschen Wörterbuchs von Dr. Wahrig der "Gleichklang einer od. mehrerer Silben bei verschiedenem Anlaut"; bei einem "Reim(e)lexikon" handelt es sich um eine "Zusammenstellung von Reimendungen zum Erleichtern des Reimens."
    Ein Reimelexikon hilft also denjenigen weiter, die - etwa aus gegebenem Anlass einer Familienfeier oder aus irgend einem romantischen Impuls heraus - gerne dichten möchten, denen es hierfür aber an natürlichem Talent und intrinsischer Sprachbegabung mangelt.
    Das Reimelexikon ist für den Möchtegernlyriker also technisch gesehen das, was das Blog für den Möchtegernhomepageprogrammierer ist, ein ganz erträglicher Kompromiss!
    Dass das Reimen mit Hilfe des Reimelexikons auf jeden Fall Spaß macht, auch wenn kein sprachliches Glanzlicht dabei heraus kommt, zeigt das Hottentottenrennquintett mit dem, auch musikalisch sehr verschiedenhaft anlautenden Song "Reclam Reimelexkon": da wird geflötet, gegittarrt, gegeigt, gemehrstimmt und gekastagnettet, das es eine Pracht ist.
    Hören Sie bitte mal rein!

    Titel: Reclam Reimelexikon
    Album: "live und mittellos" (2006)
    Musik: Steffen Kindlein / Christian Paul Mitzel / Jürgen Hellmann
    Gesang: Jürgen Hellmann / Christian Paul Mitzel / Steffen Kindlein
    Lyrics: Jürgen Hellmann

    Reclam Reimelexikon

  • große Schwestern verprügeln

    Diesen Song lieben die Menschen: "große Schwestern verprügeln" ist eine beschwingte hommage ans heimelige Leben auf dem Lande einschließlich "Mitmachteil". Auf dem Lande ist es bekanntlich richtig scheiße, weil nie was passiert ... bis ein paar kleine Brüder sich zum "Geheimbund KBR" zusammenschließen: "Kleiner Brüder Rache", um mal richtig auf dieselbe drauf zu hauen ! Kindlein, Hellmann und Mitzel, wissen die Biographen, sprechen aus Erfahrung, sie sind tatsächlich alle mit großen Streberschwestern aufgewachsen, nur jeweils an einem anderen Arsch der Welt im süddeutschen Raum. Aber hätten sie sich schon in jungen jahren gekannt, ihre Geschichte wäre mit Sicherheit wahr!

    Titel: große Schwestern verprügeln
    Album: "live und mittellos" (2006)
    Musik: Steffen Kindlein
    Gesang: Jürgen Hellmann / Christian Paul Mitzel / Steffen Kindlein
    Lyrics: Jürgen Hellmann

    große_schwestern

  • fast geschenkt

    Mit "fast geschenkt" steigt das Hottentottenrennquintett (HRQ) ganz groß ins Marketing seiner selbst ein: "Für nur 5,- Euro - und was gibt's heut' noch für 5,- Euro?!" (Nicht mal selbst bedruckte Tassen, nämlich!) versprechen Hellmann, Mitzel und Kindlein jedem und jeder, die an der Produktion von "live und mittellos" mitwirken die CD zum "Vorzugspreis" im "après-Show-Verkauf". So anrührend und indiskret zugleich hat sich noch nie eine Kleinkunstkapelle am Existenzminimum seinem Publikume aufgedrängt! Anhören!

    Titel: fast geschenkt
    Album: "live und mittellos" (2006)
    Musik: Christian Paul Mitzel / Steffen Kindlein
    Gesang: Jürgen Hellmann / Christian Paul Mitzel / Steffen Kindlein
    Lyrics: Jürgen Hellmann

    fast geschenkt

  • Die Erde dreht sich viel zu schnell

    Man könnte im ersten Moment vielleicht versucht sein, diesen Song von HRQ - mit Funny van Dannen - einfach als "Herzscheiße" abzutun. Aber, wie immer bei Texten von Jürgen Hellmann und Musik von Hottentottenrennquintett, lohnt es sich, etwas genauer hinzusehen und hinzuhören! Und genau das sollten Sie jetzt tun!

    Titel: Die Erde dreht sich viel zu schnell
    Album: "live und mittellos" (2006)
    Musik: Steffen Kindlein
    Gesang: Jürgen Hellmann
    Lyrics: Jürgen Hellmann

    Die Erde dreht sich viel zu schnell

    Die Erde dreht sich viel zu schnell

    Die Wohnung sieht nun fast schon wieder
    wie vor deinem Einzug aus
    unverhohlen unverkrampft
    schlenderst du hier raus

    schlechtgelaunte Vögel trällern
    was von Liebe und nem Traum
    Stromsparlampen scheinen heller
    in einem leeren Raum.

    die Erde dreht sich viel zu schnell
    um sich auf ihr zu halten
    all die Gesetze außer Kraft
    die doch solange galten

    die Erde dreht sich viel zu schnell
    wer fallen will soll fallen
    es fällt nicht leicht so schwerelos
    den Boden zu erlangen

    Ich liebe dich – bist du schon müde
    mach ich dir noch Spaß
    pack alles in ne Alditüte
    die er hier vergaß

    all die Schwüre mundgeboren
    erbrochen und nie weggewischt
    Putzkolonne übermorgen
    auf endlich freie Sicht.

    die Erde dreht sich viel zu schnell
    um sich auf ihr zu halten
    all die Gesetze außer Kraft
    die doch solange galten

    die Erde dreht sich viel zu schnell
    kein bremsen, nur noch fallen
    wer will dann so schwerelos
    den Boden noch erlangen

    Steht da mit tumbem Dackelblick
    widerlich blumenbestraust
    will nicht warten - musst du was sagen
    ist egal ob du bereust

    Komm her und fall nicht auf die Knie
    Reißleinen sind längst entzweit
    stürze ruhig in mich ein
    kein Aufprall als Sicherheit

    Die Erde dreht sich viel zu schnell
    um sich auf ihr zu halten
    alle Gesetze außer Kraft
    die doch so lange galten

    Die Erde dreht sich endlich schnell
    niemand stoppt das Fallen
    alle Gesetze längst verweht
    wer will sich da noch halten

    Die Erde dreht sich viel zu schnell
    wer fallen will soll fallen
    sind die Gesetze außer Kraft
    gibt’s nichts mehr zu verwalten

  • The Mannheim Song walks the line

    Samir Kandil, Ex-Chansonnier, Ex-Filmstar und Hobby-Sandmann, war früher Mitglied in einer Formation namens "Amour Fou", der auch HRQ-Darling Jürgen Hellmann angehörte (weswegen wir hier berichten), und ist seit deren Auflösung solo ziemlich erfolgreich(er) und mittlerweile auch überregional stark gefragt!
    Der Düsseldorfer tourt zurzeit eigentlich mit dem abendfüllenden Solo-Show-Programm "Sex mit guten Freunden" durch die Republik und gab gerade 14 Tage in Folge (!) Vorstellungen in der kultigen Berliner "Brotfabrik"; umso erstaunlicher, dass der Millionensassa nebenbei noch die Zeit gefunden hat, gemeinsam mit Star-DJ "Flokati" alias Frank (Joschka) Rother in den Friedrichshainer "F. Rother Hinterhofstudios" herumzujammen.
    Tatsächlich ist bei der ungewöhnlichen Begegnung des ambitionierten Pop-Kabarettisten Kandil mit dem frühesten aller deutschen Countryprotagonisten Joschka Rother (er machte schon Country als den meisten Leuten Johnny Cash bloß als Helge Schneider-Persiflage bekannt war und ist heute Gitarrist bei "Sweetheart of the Rodeo") ein ganz ungewöhnliches Stück mp3 herausgekommen: "The Mannheim Song". Es klingt beinahe nach einem Mantra lokalpatriotischer Selbstvergewisserung, wenn Kandil ein um's andere Mal fragt: "Mannheimer - seid Ihr Mannheimer - sind wir Mannheimer - alle Mannheimer - aus Mannheim?" Und die, im vollendeten Dialekt ausgesprochene, Frage am Ende des Songs: "Was macht ihr am Wochenend`?" macht deutlich, wie existentiell tief Kandil in den Jahren seines Aufenthalts eingedrungen ist, in die Seele der Stadt aus Quadraten!

    DocFan

    Titel: The Mannheim Song
    Music & `lyrics´ by Samir Kandil
    Guitar solo by Frank Rother
    Performed by Samir Kandil featuring Frank Rother

    mannheim-03

    The Mannheim Song

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